200 Sachen 200 Sachen

(2003 Oh My Sweet D)
www.200sachen.de
www.ohmysweet.de

Wer bremst, hat Angst!

200 Sachen auf halber Lautstärke zu hören, wäre in etwa so, wie sich den Finger in den Hals zu stecken und nicht kotzen zu können - unbefriedigend. Ansonsten bedarf es keiner großen Kunst, der Musik der sechs Wiesbadener zu lauschen. Jedoch wird man zum Lauschen wahrscheinlich gar nicht erst kommen, denn die Stücke auf der EP sind nicht annäherungsweise zum Nachdenken gedacht, sondern vielmehr zum Tanzen, Durchdrehen und zum gegen die Wand springen und keiner der sechs Songs wird diese Wirkung je verfehlen. Feinste, antreibende und sehr groovende Garagen-Rock-Lieder im Stil der 60er und 70er werden persifliert und gleichzeitig unglaublich ernst genommen. Brechende Gitarrensoli fahren Slalom um den Takt und dann wieder um die Wette, Basslinien werden umfunktioniert zu "geraden Rennstrecken", bretternde Drums geben das Tempo vor und hinterlassen tiefe, gleichmäßige Spuren im Asphalt. Als Krönung des Ganzen steckt die Sängerin Katta schrill krakeelend ihren verbalen Allerwertesten aus dem Fenster heraus und tut im stimmlichen Stil von Karen O. (Yeah Yeah Yeahs) ihre Partyerlebnisse und zwischenmenschlichen Beziehungen kund. In einem Text wird das schnelle Autofahren zelebriert, in einem anderen ein Club namens "Beatbox", in dem wiederum die "Sonics", Chuck Barry und die Rolling Stones zelebriert werden. Aber es geht auch um egozentrisches Repräsentatives und Erzählerisches. Live erinnert die zierliche Sängerin mit dem schallenden Organ auch ein bißchen an eine Rock singende Pyranja, jedoch sollte ich diesen Vergleich allein wegen der beiden kontroversen Genres wahrscheinlich noch einmal überdenken...
Auf ganzer Strecke lassen sie alles und jeden hinter sich, streifen Geschwindigkeitskontrollen, ignorieren müde lächelnd Baustellen, Nagelbretter und gesperrte Bahnübergänge und durchbrechen schließlich die Schallmauer, in der sie nach 10 Minuten musikalischer Hetzjagd urplötzlich spurlos wieder verschwinden.

Genauso wie sich die Trashmonkies immer wieder den Vergleich mit den Hives anhören müssen, könnte es passieren, daß 200 Sachen mit dem nächsten großen Hype öffentlich als deutsche Yeah Yeah Yeahs erklärt werden. Jedoch ist dieser Vergleich ja keinesfalls einer, für den man sich schämen müßte...

Musik für gerade Strecken und scharfe Kurven.

Interessant zu beobachten wäre, wie sich 200 Sachen in 200 Jahren nennen, wenn die Gefährte dieser Erde in ganz anderen Dimensionen und Lichtgeschwindigkeiten fahren können... Okay, doofer Gedanke.

Tracklist
1. Gegen Die Geduld
2. 200 Sachen *
3. Das Kribbelt Im Ohr *
4. Ich Krieg Dich *
5. Beatbox
6. Number Boogie

* Anspieltips

Bewertung:
(oder: 200 Punkte... in Flensburg)

Fabian Fascher

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