Seachange - Lay Of The Land

(2004 Matador Records UK)
www.seachangemusic.com
www.matadorrecords.com

Mit ihrem ersten Album, was nun kürzlich erschienen ist, erreichten Seachange außerhalb von Großbritannien wohl eher nur Britpop-Kenner und Menschen, die sich nicht gleich mit den Top 10 zufrieden geben, sondern auch mal gerne stöbern und sich auf Fremdes einlassen. Ich finde das sehr traurig, denn solche Bands werden mir, auch wenn sie vielleicht noch ein bißchen schmutzig und auch nicht ganz so professionell klingen, viel zu wenig gefördert! Nun, vielleicht liegt es ja daran, daß sie auf ihrem Cover sowie auch im Booklet keinerlei Photos von entblößten Damen la Monster Magnet oder cool posenden Marilyn Manson-Verschnitten anzubieten haben. Vielleicht liegt es aber auch daran, daß sie überhaupt keine Photos von sich sondern lieber ein paar geheimnisvolle Objekt- und Landschaftsaufnahmen als Artwork vorgezogen haben. Auch das Cover ist sehr minimal gestaltet und trotzdem ein Blickfang. Am allermeisten wird es jedoch daran liegen, daß die ganze Sache einfach nicht Chartkompatibel ist. Zumindest nicht in Deutschland. In England sind bereits 4 Singles am kursieren ("News From Nowhere", "Glitterball" EP, "AvsCo10" und "Superfuck"). Das sind vier Singleauskopplungen von insgesamt 12 Liedern. Exzellent!

Die Musik selbst hat sehr viele Britpop- und Indie Elemente, rutscht aber auch oft in die Garagen-Rock Richtung la The Hives. Die Stimme der Band klingt angenehm und nicht sehr aufdringlich. Der Gesang leidet unter einem kleinen Schönheitsfehler und ist nicht immer ganz sauber, doch für Leute, die Chris Corner (Sneaker Pimps), Thom Yorke (Radiohead) und dergleichen mögen, dürfte das eigentlich kein Problem sein. Was mir das ganze Album über extrem positiv auffiel, war der wunderschöne englische Akzent, den der Lead Sänger im Gegensatz zu hier jetzt lieber nicht genannten anderen Bands nicht versucht zu verstecken. Das ist natürlich Geschmackssache und ich kenne viele Leute, die den englischen Akzent zum Kotzen finden. Aber ob er in gesungener Form wirklich so ohrenquälend ist?...
Der erste Tune beginnt leise, monoton und schwerfällig und fadet langsam aber sicher immer weiter nach oben. Nach etwa 3 Minuten erwartet den Hörer dann ein kleiner Stimmungswechsel. Ein Break, der es in sich hat. Es ist so eins von diesen Liedern, die man erst richtig aufdreht, weil man nichts hört, und dann... BÄNG!
Verschlafen, verträumt, melancholisch und ein bißchen leidend oder aber auch sehr aufgewühlt und wild trägt das Album den Hörer über einen musikalischen Holperpfad an Folkore-Elementen und interessanten Melodien vorbei sicher bis ans Ende. Und hinterher will man dann gleich nochmal.
In vielen Liedern spielt ein Cello eine große Rolle. Auch das ist (passend zur Stimme) ein bißchen schief gespielt und verleiht dem Ganzen den gewissen Folk-Touch.
Über die Bandmitglieder kann man anhand des Booklets nichts sagen, weil neben nicht vorhandenen Bandphotos auch keine Namen abgedruckt wurden. Alles was dort steht sind die Cellobesetzung und die Additional Vocal & Guitar. (Ziemlich hirnrissig...) Man kann sich diesbezüglich aber wunderbar der Homepage www.seachangemusic.com bedienen und ein wenig recherchieren; wenn es denn interessiert.

Seachange haben mit ihrer Ballade des Landes ein schönes Werk herausgebracht und ich hoffe gespannt darauf, bald wieder etwas von ihnen zu hören. Ich würde es ihnen jedenfalls wünschen, denn noch ein bißchen ausgereifter und professioneller könnte das Ganze sogar noch perfekt werden.

Ich finde es ja immer wieder sehr belustigend, wie Leute für neue Musik immer noch abstrusere Namen erfinden, damit man sie dann in eine beschissene Kategorie stopfen kann. Ich werde dies jetzt auch einmal versuchen: Seachange ist wirklich einzigartiger, brillanter 'New-dirty-psychodelic-melancholic-folklore-garage-punk-prettyenglish-britpop-rock', wie er im Buche steht. Ihr solltet euch diese Platte auf keinen Fall entgehen lassen.
Für potentielle Patrick Nuo-Fans wäre dieses Album jedoch sicherlich ein Fehlgriff. Jene gehen bitte weiter durch zu Rock/Pop Reihe N! Dankeschön. Auch die ganzen hirnamputierten, polyphonen Klingelton- oder Handybildchenfanatiker werden sicherlich so ihre Probleme damit haben einen Seachange-Ringtone zu ergattern. Aber auch für euch ist da sicherlich Abhilfe geleistet. Versucht es doch einfach mal mit Haiduchi! (Du hast es zuerst.) Viel Spaß.

Bewertung:

Fabian Fascher

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