Vier Bands als eine Einheit

Das WUK ist eines der Kulturzentren Wiens. Es beheimatet in einem frühindustriellem Industriegebäudekomplex ungefähr 130 verschiedenste Gruppen von der Psychopannenhilfe über den Verein der Äthiopier bis zur bildenden Kunst, um nur ein paar Beispiele zu nennen. Zudem dient es auch als Veranstaltungsort und Proberaum für rund 35 Musikgruppen. Aus der Zusammenarbeit mit den Künstlern entstand die Idee, einen alljährlich Wukstock Festival Abend stattfinden zu lassen, bei dem vier der dort probenden Bands eine bunte Mischung ihres musikalischen Schaffens darbieten.

Bei dem diesjährigen vierten Wukstock traten die vier Bands Smughead, Himmelsschwer, Blue Castello und als Hauptakt TOCC auf. Die Stilrichtungen reichten dabei von Heavy Metal über mystische Klänge und Jazz-Funk-Synthie-Pop bis hin zu Rock. Dementsprechend zusammengewürfelt präsentierte sich das Publikum: Jung neben Alt, Anzug neben Slayer T-Shirt, Bekannte und Verwandte neben nicht weniger frenetischen Fans erwarteten uns, nachdem erst ein gockelartiger grüner Einlassstempel unsere Handrücken zieren sollte. Bereits Hunderte hatten sich im Vorraum versammelt und fieberten dem Beginn der Veranstaltung entgegen, während eine bunt angestrahlte Discokugel tanzende Lichtpunkte durch die Luft tanzen ließ und die 3,20 Euro Cola in unseren Händen anstrahlte. Ein DJ-Pult in der Ecke ließ bereits Vorfreude auf die anschließende Aftershow Party aufkommen.

Schließlich ging es los und Smughead betraten als erste Band die große Bühne im Hauptraum, der zügig von den Fans reichlich bevölkert worden war. Und gleich begann eine kräftig vorgetragene Mischung aus Heavy bis Death Metal. Passenderweise zog sich der Sänger während des Konzertes gleich zweimal oben aus und warf sein schweißdurchtränktes Handtuch in die begeisterte Menge.

Als zweite Band des Abends legten dann Himmelsschwer mit ihrem mystischen Sound la Ofra Haza los. Die fünf Musiker präsentierten melodiösen Pop mit zahlreichen orientalischen Einflüssen, der die Zuhörer in eine andere Welt eintauchen ließ. Optisch stach vor allem die in tief rotes Licht getauchte Sängerin hervor sowie der mit lästernden Blicken durchs Auditorium schauende Gitarrist.

Nach einer kurzen Pause begann der Auftritt von Blue Castello. Interessanterweise schien jede Band - vielleicht wegen der unterschiedlichen Musikstile - ihre eigene Fangemeinde mitgebracht zu haben. Denn mit dem Wechsel der Musiker auf der Bühne, wechselte auch das Publikum vor dieser, während sich die bisherigen Zuhören im Vorraum vergnügten. Blue Castello trat dabei im Miami Vice Stil in weißen Anzügen auf und spielte dazu passend Musik im 80er Jahre Stil. Um die Musik funkiger werden zu lassen, wurde später noch ein (gegensätzlich schwarz gekleideter) Trompeter dazugeholt. Und so verschwand die relativ hell bestrahlte Bühne fast völlig im Nebel, während wir den gelungenen Auftritt genossen.

Als Hauptakt des Abends folgte zum Schluss TOCC. Das bereits von den vorherigen Bands in Stimmung gebrachte Publikum war jetzt vollends hin und weg und begrüßte die Musiker mit stürmischem Jubel. Der Saal war jetzt vollständig gefüllt, alle wollten keinen Ton der anschmiegsamen bis rockigen Performance verpassen. Und so wurde mal wild mitgetanzt, mal die Feuerzeuge zur rauchigen Stimme der Frontfrau in die Höhe gestreckt. Da blieb den Zuschauern nichts anderes übrig, als sich von der überwältigen Stimmung einfangen zu lassen und die Musik mit dem gesamten Körper mitzuerleben.

Nach mehreren Zugaben endete der gelungene Abend des Wukstocks, der gezeigt hat, dass sich auch verschiedene musikalische Stilrichtungen zu einem geballten Erlebnis verbinden lassen.

Stefan Kuper

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