Fortunas Freunde

Von stürmischen Schneeregen getrieben erreichte ich völlig durchweicht an einem Donnerstag Abend das B72, wo sich Fortuna's Favourites die Ehre gaben. Eine noch recht neue Band, die an die glorreichen Zeiten des College Rock anknüpft und mit rockigen (Brit-)Popsongs ihres Debüt-Albums "Goodlife" und neuerer Songs die Zuhörerschaft mitreißt. Das B72 ist einer jener kleinen, aber durchaus bekannten Clubs, in denen fast allabendlich eine Live-Performance miterlebt werden kann. Gelegen in einem U-Bahn Bogen der U6, welche sich oberhalb des Wiener Gürtels dahinschlängelt, ertönt im Inneren seines gewölbeartigen Raums jedes Mal ein leichtes Grummeln, wenn ein Zug direkt über den Köpfen der Gäste hinwegsaust. Aufgeteilt ist das B72 in zwei Bereiche: In dem ersten befindet sich eine Bar, im zweiten Raum die Bühne sowie eine Empore, von der die Auftritte von zwei Ebenen aus betrachtet werden können.

Zunächst fand sich im Bühnenbereich nur ein spärliches Publikum ein, jedoch pünktlich zu Beginn des Konzerts strömten die Massen herein, so dass der Raum gestopft voll war, als die fünf Musiker von Fortuna's Favourites die Bühne betraten. Das größtenteils studentische Publikum begrüßte die Band mit kreischendem Applaus und lauten Pfiffen. Frontman Stefan, ein Mitzwanziger mit halblangen Haaren, und seine Musiker waren gemäß ihres Musikstils gekleidet: Da tanzte ein blaues College-Shirt neben einem khakifarbenem Kapuzenpulli und einem hellem Hemd, welches in Querrichtung braun gestreift war und an dem ein blinkendes Etwas zu erkennen war. Das Ganze erinnerte stark an die alten 70er Jahre. Als neues musikalisches Element unterstützte Blondschopf Nina mit Zopf und gelbem T-Shirt am rechts aufgestelltem Keyboard den Auftritt. Im Hintergrund versteckt sorgte der als "Grooveminister" vorgestellte Axel für die rhythmische Versorgung per Schlagzeug. Die Band stammt übrigens aus Wiener Neustadt, dem "Wiener Outback".

Der Sound war extrem vielfältig und reichte von schnellen tanzbaren Stücken bis zu eher langsamen Balladen, die zum nachdenklichen Verweilen einluden wenn man bei dieser eher energischen britpopartigen Musik davon sprechen kann. Besonders die einfließenden Gitarrenriffs wussten zu gefallen, deren Intensität und Schnelligkeit gleich einem Klimax anwuchs, um dann in den Refrain aufzugehen. Interessant anzuhören waren auch die plötzlichen Tempowechsel vom schnellen Gitarrensound zum langsamen Gesang mit leiser Gitarrenunterstützung. Die Stimme schwankte je nach Moment von unbeteiligt bis zu ausdrucksstark, während die Band mal in glühendes Rot, mal in eiskaltes Blau getaucht auf der Bühne wahlweise hüpfte oder sich mit geschlossenen Augen in ihre Musik vertiefte. Einzig die für fünf Personen etwas zu klein geratene Bühne störte die Show etwas. So mussten die Künstler ständig aufpassen, sich bei ihren Tanzeinlagen nicht gegenseitig herunterzuschubsen.

Das aufgewühlte Publikum wurde neben der Musik durch die selbstironischen Ansagen zwischen den Liedern begeistert. Da wurde - neben Ankündigungen zu den einzelnen Stücken la "Für alle Arschwackler und Headbanger" oder "Dieses Lied spielen wir für Anita, die danach per Mail gefragt hat" - über den Sinn des Lebens, die Probleme und Sehnsüchte des Alltags philosophiert: So versuchte der Sänger beispielsweise seine Gitarre für 750 Euro zu versteigern, sinnierte über die trotz seiner Jugend viel zu schnell vergehende Zeit und die Teenagerprobleme. Den musikalischen Höhepunkt stellte - nach meinem Geschmack - eine neu geschriebene Nummer dar, die an diesem Abend dem kürzlich ermordeten Rudolph Moshammer gewidmet wurde. Mit dem Wunsch, mit dem sympathischen Rudi in spirituellem Kontakt zu treten, auf dass dieser auch noch nach seinem Leben etwas spüre, und einem "Where are you now?" begann ein sehr ausdrucksstarker Song mit ohrwurmigen Klang.

Zum Ende des Konzerts wurde klanglich das Keyboard in den Vordergrund gerückt, bevor zum Finale hin ein schnelles Lied zum Mittanzen gespielt wurde, welches laut Ankündigung mit "ein paar Sachen von Hans" beendet wurde, welche sich als wilde, schneller werdende Gitarrenriffs präsentierten. Unter frenetischen Zugaberufen musste sodann die Keyboarderin wieder auf die Bühne gerufen werden, um in dem von tiefroten Strahlen durchflutetem Raum zusammen mit ihrer in Nebel getauchten Band pünktlich um Mitternacht den sehr unterhaltsamen Abend mit einer Ballade zu beenden.

Stefan Kuper

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