Etwas von Allem

Blockwerk, das ist eine fünfköpfige Formation aus Wien, deren Werke in der musikalischen Begriffswelt schwer zu beschreiben sind, da sie ihren Stil aus den verschiedensten Ecken zusammenschweißen, um den Zuhörer auf neue Pfade zu geleiten. Um so gespannter waren wir auf die Performance an diesem Abend, an dem Krane als Supportact eingeladen worden waren.

Die Band Krane um Frontfrau Doris Krane besteht eigentlich aus drei Mitgliedern, von denen der Bassist sich an diesem Abend allerdings ins australische Outback verzogen hatte, so dass neben der Sängerin lediglich am Keyboard der für die Klangzusammenmischung zuständige Bertram auf der Bühne präsent war. Dies schadete der dargebotenen Performance aber keineswegs, sondern ließ diese mehr ins elektronische abgleiten, als das ansonsten der Fall gewesen wäre. Heraus kam ein melodiöser Synthiepop, der in seinen Facetten oft an Dubstar oder Client, aber einmal auch an Two Unlimited erinnerte. Und so war der Raum schlagartig gefüllt, als alle Besucher bei den ersten Klängen von der Bar im Vorraum zur Bühne strömten, um der ruhigen eindringlichen Stimme zu lauschen, die mal mystisch singend mal mehr in Sprechgesang zu dunkleren Klängen verfallenden sich dominant in Szene setzte.

Dazu gab es immer wieder instrumentelle Teile in den Stücken, bei der die mit Ballettschuhen ausgerüstete Frontfrau im Takt mittanzte, um sich dann wieder singend mit schmerzverzerrtem Gesicht ans Mikro zu schmiegen. Keyboarder Bertram wirkte dagegen kühler und abwesender, als er im Depeche Mode Style an seinem Instrument hantierend durch die vor der Bühne versammelten Zuschauer hindurchblickte. Dabei wechselte die Geschwindigkeit der Songs von melodiös langsam bis zu schnellen Drum Rhythmen, die Stimme der Sängerin wurde mal mit Hall vermischt, mal wirkte sie eher süßlich im Kontrast zu der düsteren des selbst zum Mikro greifenden Kollegen und den harten Synthieklängen. So glich die Musik irgendwie dem Beobachten der Großstadt aus einer dahinrasenden U-Bahn, irgendwie einer irrsinnigen Reise mit Tron durch das elektronische Universum.

Ein paar ruhigere Balladen mit Duetteinlagen vor dem melancholisch versinkenden Publikum rundeten den Auftritt ab, zu dessen Ende noch der im aktuellen Video auftauchende Roboter zusammen mit seinem neuen Kollegen präsentiert wurde. Die aufkommenden Zugaberufe wurden mit einem Instrumentalstück befriedigt, in dessen letztem Teil die Sängerin noch einmal mit dominierender Stimme und Gestik das Mikrophon ergriff, um sich anschließend unter stürmischem Beifall beim Publikum zu bedanken und Blockwerk anzukündigen.

Doch zunächst gab es noch eine kleine Pause, in der wir uns an der Bar stärkten, bis dann Blockwerk die in violett getauchte Bühne betraten. Dabei wurde ein perfekter Auftakt geboten, in dem im Stil Pink Floyds zunächst ein undefinierbares Raunen erklang, wonach langsam eine stark verzerrte E-Gitarre hinzukam und die Trommeln einsetzten. So entstand eine gewaltig wirkende hallende Geräuschkulisse, dessen Schwingungen durch den Raum flossen. Bis dann schließlich Sänger Benedikt mit Kollegin Kathrin beide barfuß aber mit schwarzem Nadelstreifenanzug beziehungsweise rot-blauem Kleid die Bühne für das erste Stück betraten.

Wie schon einleitend geschrieben, ist es kaum möglich, die Musik von Blockwerk in Worte zu fassen, beschränken sie sich nicht etwa auf ein bestimmte Genre, sondern präsentieren vollkommen neue Mischungen der verschiedensten Richtungen verbunden durch den roten Faden von schnellen elektronischen Rhythmen. Auch führt die Reise durch die einzelnen Stücke den Zuhörer immer wieder in neue unbekannte Gebiete. Zusätzliche Verwirrung schufen dabei die an die Wand projizierten schwarz-weißen Samuraifilmszenen, die das Auge ein ums andere mal in ihren Bann zogen.

Schon der erste Song wusste mit dem zentralem Element in Form einer uralten Sitar aufzuwarten, die verbunden mit dem wirbelnden Trommeln eine wundersame fernöstliche Stimmung dem harten rhythmischen Sound und dem melodiösen Sprechgesang des Sängers beimischte. Dazu noch die trashige Stimme der Frontfrau und schon hat man die gelungene Mixtur, die die Gehirne des Publikums in Zuckungen versetzte. Die nächsten Stücke waren wiederum vollkommen andersartig: So gab es neben Reggae Songs mit nasaler Stimme von Benedikt im Kontra zur betont weiblich sanften seiner Kollegin, funkige Lieder, die durch die Trommeln und Synthesizer eine berauschende Wirkung ausübten. Auch ein Up-Tempo Stück fehlte nicht, bei dem Sängerin Kathrin alleine zu vollkommen elektronischen Beats performte und diabolisch ihre Blicke mit schwarzen Augen ins Publikum warf.

Die musikalische Reise von Blockwerk erscheint wie ein Besuch in den Hinterhöfen der Welt, bei denen überall etwas mitgenommen wird für einen Cocktail, dessen Zutaten zunächst nicht zusammen zu passen scheinen, ist er aber erst einmal in der Kehle, verschmelzt alles zu einem großen klanglichen Ganzen. Fehlen durfte natürlich auch nicht die Ankündigung eines neuen Vinyl Samplers, auf dem Blockwerk neben zwei DJs vertreten sind und der im September im WUK präsentiert werden wird. Dann gab es noch ein fulminantes Stück mit einer eigens dafür kreierten Sprache, das als "Systemkritik auf Klingonisch" angekündigt wurde, und einen durch die Mixtur aus Stimmen, Trommeln und Sitar irgendwie erdverbunden wirkenden Song.

Nach einer Zugabe in Form einer Kombination aus Hip-Hop-Sound und deutschem Text, war der beeindruckende Abend zu Ende, der uns alle gespannt darauf werden ließ, in welche exotischen Welten uns Blockwerk demnächst noch verführen werden.

Stefan Kuper

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